Nils Henkel
Kai Sommer
Alexander von H.
Anke Heines
Markus Bußmann
Positiv
Seedbombs
Indoorsalate
Espressi
2017
Verstreute Samen
Alles begann in Köln. Markus liebt es zu kochen und schrieb über seine Passion ein Blog. In seichten Momenten wähnte er sich auf dem Weg “König der Amateurköche” und posted fleißig Tellerbildchen ins Netz. So wie viele andere Amateure es tun. Irgendwann dämmerte ihm, dass es keinen Sinn machte, seine Leidenschaft einsam virtuell zu verbreiten. Markus besuchte seinen Freund Nils, der ihm seinem Restaurant zeigte, was Markus selber kaum je würde kochen können: Gelernt ist Gelernt! Kreativität und Erfahrung gewachsen über Jahrzehnte, befand Nils. Aber immer nur ab und zu über die Schulter schauen, das überzeugte Markus nicht.
Wie verrückt, da rief ausgerechnet das Fernsehen an: Authentischer Foodblogger-Statist für Kochsendung gesucht! Die Ehefrau setzt sich mit einem klaren “NEIN!” durch, er solle was Seriöseres machen: Politik oder so. Doch die Ideen gärten weiter – er besuchte mit Yassi die Anke in Heidelberg, die aus vielen Ideen ein Konzept mitbacken sollte. Irgendwie lieber selber was produzieren und kochen: Vielleicht den Blog ausbauen? Kochen und YouTube?! Anke wollte Nachhaltigkeit und Gesundheit ganz nach vorne bringen. Sie überredet Markus dazu, dass die Idee nicht vom Himmel fällt, sondern entwickelt werden kann in einem gemeinsamen Prozess. Beide verfolgt die Frage, warum Kochen in unserer Gesellschaft medial so übermäßig präsent ist und dennoch immer weniger selber gekocht wird. Yassi formulierte Ihren Traum mit “gedeckter Tisch mit Freunden im Grünen” als Sehnsuchtsort. Markus bastelt erste Ideen von Urban Farming bis Youtube-Kanal wild zusammen, aber keiner versteht den Salat, den er sich überlegt hat. So wird der Salat beständig umgeschichtet….über Monate.
Die erste Saat geht auf
Ein erster Durchbruch stellt sich ein: Die Gründer sollten mit Ihrer Person nicht selbst im Vordergrund Ihrer Idee stehen. Wieso nicht radikal anders machen, jedem die Chefkochmütze aufsetzen? Der Kern der Idee war ja nicht wirklich, etwas “mit Internet” zu machen. Der Kern war vielmehr, eine andere Koch- und Esskultur zu schaffen. Ob Air B’nB, Cambio oder Food Assembly: Immer geht es darum, mit vielen etwas zu teilen, was für den Einzelnen zu mühsam, zu aufwendig oder gar unnötig ist. Sinnvoll zu teilen, weil es besser für die Natur ist und nachhaltiger. Eine 100qm Küchenkapelle im eigenen Heim mag ja ein schönes Statussymbol sein, für den, der sie sich leisten will. Aber irgendwie sinnlos, wenn Sie nicht ständig gemeinsam benutzt wird. Und statt nur Likes im Netz zu sammeln, wäre da nicht der Austausch mit Gleichgesinnten und sinnliche Erlebnisse zu teilen viel besser? Keine App als Idee, sondern ein echtes Erlebnis. Kochen von Technologie unterstützt statt virtuellem Kopfschmerz, war die Devise. Warum also nicht jedem in der Großstadt eine Küche bieten, um spontan mit anderen zu kochen? Das war die Saat, die wir immer weiter heranzogen.
2018
Wachstumszeit
In den nächsten Monaten fügten sich Puzzlestück um Puzzlestück. Paul, mit dem Markus schon früher wilde Sachen gemacht hat, befeuerte den Prozess kreativ als Art Director. Nils fing Feuer und beriet uns kulinarisch. Dann stießen Jo und Jacek für Digitales hinzu. Die Wild Table-App wurde gemeinsam mit Quiply realisiert. Die App war übrigens die Vorlage für die spätere Quiply Mitarbeiter-App, eine geschlossene Kommunikationsplattform für Unternehmen. Lea zog erste erste Samen in den Gewächshäusern, die Kai als Urban Gardener größer machte. Inspiriert von Food Assemblies, Bauernhöfen, Winzern und vielen anderen Produzenten, die wir trafen, wurde aus dem Konzept die Idee eines Clubs. Nicht ein Kochstar im Rampenlicht, sondern “Begegnungen, Teilen und Inspirieren” wurden Kernelemente der neuen Esskultur. Wild Table mußte deswegen ein Verein werden, denn wo sonst bringen sich Menschen gerne aktiv ein? Alle Leistungen sollte ein weiteres Unternehmen für den Verein erbringen. Es waren ein paar harte Monate Arbeit und der Weg zu mehr Nachhaltigkeit stellt sich in jeder Hinsicht als steinig heraus. Aber: Es wächst!

2020

Triebbildung und Stecklinge
Ab 2019 erweiterten wir das Wild Table – Konzept. Wir veranstalteten einen ersten Outdoor-Event am Matterhorn. Wir hatten großartige Abende in einer Kunstgalerie für zeitgenössische Kunst. Wir luden Bazon Brock zum Café, der eine neue Kirche mit uns gründen wollte. Wir möchten Partnerschaften ausbauen, mehr Beziehungen knüpfen zu allen, die Natur und sich selbst neu erleben möchten. Wild Table will helfen, eine Plattform für viele zu werden, so dass wir eines Tages die Früchte gemeinsam ernten können. Einen echten Club, den viele unserer Freude vermissen würden, hätten sie ihn nicht selbst ins Leben gerufen. Schwierig bleib die Suche nach dem Ort für unsere Kirche, Köln bietet gerade wenig bezahlbaren Platz für neue Religionen.
Streuobstwiesen
2020 war das Jahr der Corona-Pandemie. Und auch für Wild Table war es das vorläufige Aus. Soziale Kontakte waren unmöglich und die Menschen entkonditionierten ihr genußvolles Leben. Das Konzept war fertig, nun aber war der Lauf der Welt nicht in unserem Sinne. Gleich Diogenes gingen wir zurück in die Tonne und warten, dass der richtige Zeitpunkt kommt, um zu Tisch zu laden.
Der Dezember endete in Ayr Oberon, Australien, mit einem traurigen Verlust: Paul Begg starb. Paul war wesentlich für das kreative Konzept von Wild Table verantwortlich. Bevor die Natur ihren Lauf nahm, wanderten Paul und Markus noch einmal um das Matterhorn. Der Berg war ihr beider Sehnsuchtsort. Markus und Paul verstanden dort, dass sie gemeinsam Leib & Seele in Wild Table gegeben hatten. Nun muß der Verlust verwunden werden. Und alles weitere ist offen…








